Geboren am 3. April 1961 verbrachte ich meine ersten Kindheitsjahre im Wiener Bezirk Neubau, einem damals eher heruntergekommenen Bezirk – kein Vergleich zur heutigen Wohn- und Lebensqualität. Meine Mutter arbeitete in einer Fabrik, die ihre Produktion in der Kaiserstraße hatte. Als Kind waren meine Traumberufe Tierarzt oder Buchhändler. Die Faszination für Tiere und Bücher hält bis heute an.
Später – nach der Scheidung meiner Eltern – zogen meine Schwester und ich mit meiner Mutter nach Floridsdorf. Ein großer Sprung! Ich erinnere mich noch an meine erste Fahrt mit der Bim-Linie 331 in der Brünner Straße. Es war ein Herbsttag mit starkem Nebel, drei Stationen lang sah ich kein einziges Wohnhaus, nur Felder. An die Wanderungen im Lainzer Tiergarten mit meiner Mutter und meiner Schwester erinnere ich mich gerne zurück.
Wir lebten fortan im Gemeindebau – zu dritt auf 44 m². Meine Mutter arbeitete fast rund um die Uhr. Tagsüber in der Fabrik, abends halfen meine Schwester und ich bei ihrer mitgebrachten Heimarbeit mit. Nebenbei ging sie putzen, am Wochenende besserte sie die Haushaltskassa beim Servieren in einem Gasthaus auf. Da habe ich gesehen, was es heißt, zu arbeiten.
Mein erstes selbst verdientes Geld bekam ich als Kramanzer (Anmerkung: Alt-Wiener Ausdruck für herumräumen, das Abservieren von den Tischen im Wirtshaus), trug Pakete aus und verlegte auf der Weststrecke Eisenbahnschienen.
Nach dem Präsenzdienst von 1981 bis 1982 absolvierte ich das Studium der Politikwissenschaft und Geschichte an der Universität Wien und wurde 1992 mit einer Dissertation über die DDR-Staatspartei SED zum Dr. phil. promoviert. Von 1986 bis 1991 war ich Pädagogischer Leiter einer Volkshochschule.
Bei meinem politischen Engagement war es mir von Beginn an wichtig, direkt an der Basis zu arbeiten. Also in den Floridsdorfer Sektionen, wo ich den Genossinnen und Genossen zum Beispiel die Arbeiterzeitung nahebrachte. Mit 33 Jahren wurde ich Floridsdorfer Bezirksrat, später Bundesrat im Parlament. Es folgte das Mandat als Gemeinderat bzw. Landtagsabgeordneter, ehe ich im Jahr 2007 das Amt des Wohnbaustadtrats übernehmen durfte. Mein politisches Vorbild ist Bruno Kreisky. Mein Lebensmotto? „Durch das Reden kommen die Leute zusammen.“
Als Präsident des Städtebundes ist es mir wichtig, dass die Perspektiven der Städte in nationale Entscheidungen frühzeitig und verlässlich einbezogen werden – insbesondere bei Fragen der Finanzierung, des Finanzausgleichs und des Stabilitätspakts. Denn wer den Städten große Aufgaben anvertraut, muss ihnen auch die nötigen Mittel und Handlungsspielräume geben. Starke Städte sind ein zentraler Pfeiler unseres Sozialstaats, Fortschritts und Zusammenhalts. Genau dafür steht der Städtebund und genau dafür setze ich mich gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen mit Nachdruck ein.
2018 wurde ich zunächst zum Vorsitzenden der Wiener SPÖ und am 24. Mai zum Wiener Bürgermeister gewählt. Bei den darauf folgenden Wien-Wahlen 2020 und 2025 ging die SPÖ Wien mit mir als Spitzenkandidat als stärkste Kraft hervor. Als Bürgermeister ist es mir ein besonderes Anliegen, Wien eine so lebenswerte und chancenreiche Stadt für alle bleibt – eine Stadt, die auf sozialen Zusammenhalt, wirtschaftlichen Erfolg und Innovation setzt. Mein politisches Handeln richtet sich uneingeschränkt am Interesse aller Wienerinnen und Wiener aus. Im Zentrum steht immer der Mensch – mit seinen Bedürfnissen, seinen Lebenswegen und seinem Anspruch auf ein gutes, sicheres und solidarisches Leben in Wien.
Als Vorreiterin in Sachen sozialer Gesundheitsversorgung hat es für uns in Wien oberste Priorität, allen Menschen unabhängig von ihrem Einkommen die bestmögliche Gesundheitsversorgung zu ermöglichen. In meiner Amtszeit haben wir deshalb nicht nur die Herausforderung der COVID‑19-Pandemie bewältigt – mit rasch verfügbaren Test- und Impfangeboten –, sondern arbeiten laufend daran, die Versorgung zu verbessern und abzusichern: Von den Wiener Krankenhäusern, Frauengesundheit, psychischer Gesundheit bis hin zur Pflege.
Menschenrechtsstadt Wien: Seit 2015 institutionell verankert, 2025 10-jähriges Jubiläum.
Interreligiöser Dialog und Zusammenhalt: Ein bedeutender Schritt meiner Amtszeit war die Gründung des Wiener Religionsrates im Oktober 2023. Dieses Gremium bringt Vertreterinnen und Vertreter von über 20 anerkannten Glaubensgemeinschaften zusammen und fördert den Dialog, das gegenseitige Verständnis und den gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserer Stadt.